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- Posted at 12:50 on 21.01.2007 by schreibergarten Eine Woche, die es in sich hat.
Problembär Ede ist angezählt - wer hätte es für möglich gehalten, dass es jenseits der biologischen Auslese des Allmächtigen noch ein vernunftgesteuertes irdisches Verfahren gibt, dem überbordenden Wahnsinn ein gnädiges Ende zu bereiten. Schlimmer kanns ja nicht kommen - aber mal ehrlich: haben wir das nicht schon oft gedacht? Kohl musste weg, weil es nach 16 Jahren einfach genug war. Schröder war schon nach sieben Jahren über. Merkel? Gefühlt betrachtet ist die Große Koalition der größtmögliche Unsinn "wo gibt auf Welt" - zumindest an ihrem Output orientiert. Man stelle sich vor: Da haben zwei "Volksparteien" vier Jahre die Chance, losgelöst von den ansonsten üblichen parteipolitischen Scharmützeln endlich mal loszulegen und stattdessen ereifert sich die politische Klasse in Kleinkariertheiten und feiert die einem Abfallprodukt gleichenden Reförmchen wie die Wiederentdeckung Amerikas.
Aber wir schweifen ab. Stoiber ist spätestens ab Ende September Pensionär (wobei der weißblauen Buschtruppe und ihrem kalkleistenden Oberindianer durchaus eine Laufzeitverkürzung zuzutrauen ist - we will see) und man darf die Frage nach dem "Was kommt danach" ruhig laut stellen. Beckstein an der Spitze Bayerns. Nun es könnte schlimmer kommen. Huber als CSU-Chef? Jeder kriegt das was er verdient - meine Meinung. Oder doch Seehofer? Bitte nicht. Man kann über den Bauern-Horst sagen, was man will - aber von der ganzen bajuwarischen Politelite ist er noch derjenige, der am sympathischsten wirkt. Da wo er ist. Oder doch die "schöne Landrätin"? Man darf die CSU nicht überfordern. Für viele ist die Tatsache, eine Frau jenseits von Küche, Kirche und Kemenate zu sehen, schon die Götterdämmerung mit freiem Übergang zum Untergang des Abendlandes. Und dann noch in der Politik? Das käme einem Zeitensprung gleich, wie ihn Bayern seit der flächendeckenden Elektrifizierung des Landes noch nicht erlebt hat. Laptop und Lederhose ja - aber eine Frau in der ersten Reihe beim Fassbieranstich auf der Wiesn, sorry - der Sturm der Entrüstung ist programmiert. Mir san mir - das gilt in Bayern noch vor dem Grundgesetz. Und Mir ist im Zweifel männlich.
Apropos Sturm - den hatten wir in dieser Woche, ohne Frage und auch mal losgelöst von der Politik. Kyrill hieß die Frau mit den vollen Backen, die im Land für Wirbel gesorgt hat. Sowas schenken sich Leute zum Geburtstag ... Was bleibt nach dem Sturm der Stürme? Aufräumen und freie Sicht - mancher wird sich insgeheim gefreut haben, des Nachbars Tanne, die man ohnehin in den nächsten Monaten wegklagen wollte, hats dahin gemacht. Und mit ihr auch das eigene Gewächshaus, dass eh weg sollte und nun den finanziellen Grundstock liefert für die eigentlich in den Bereich des Unerschwinglichen geratene Kenia-Reise in diesem Jahr. Denn wofür ist man schließlich versichert. Gut, die freie Sicht ist auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig. Ob es nämlich wirklich so prickelnd ist, künftig ungeschützt vor der Nachbartanne des Nachbarn bessere Hälfte beim Sonnenbaden beobachten zu müssen, kommt auf den Einzelfall an. Aber mit dem Sommer ist es ja noch ne Zeit hin und wer weiß: Vielleicht ist die Welt bis dahin schon den Weg allen Irdischen gegangen - dann erübrigt sich das auch.
Apropos Sommer - erstmal Winter, sagen die Meteorologen, die mit der Prognose des Auftretens von Kyrill soweit richtig lagen, wie schon lange nicht mehr. Und damit Mut machen, ihnen zuzutrauen, dass es zum 24. Januar - also nur einen Monat Verspätung (für Bahnfahrer ist das ein lachhaftes Zeitfenster) - wirklich weiß wird. Wie haben wir uns danach gesehnt: Mit dem Einsetzen der weißen Flocken werden sie wieder aus ihren Löchern steigen - die Turnbeutelvergesser und Beimkleinstenschneeflöckchenaufderbremsesteher, die mit den Ohmeingottesistwinterwerhättedasgedachtwosindmeinewinterreifen-Autofahrern um die Wette für Frustration hinterm Steuer sorgen werden. Da wird die Fahrt zum Arbeitsplatz zum Event, da macht es Sinn, vor dem Start in die Nachmittagsschicht gut gestärkt und rechtzeitig nach dem Frühstück auf die Piste zu starten, damit man mit wenigstens halbwegs annehmbarer Verspätung am Arbeitsplatz eintrudelt. Ganz ehrlich: Was manche Zeitgenossen mit dem Einsatz des Winters an Spuk veranstalten, geht auf keine Kuhhaut und verleiht der Forderung umfassender Nachschulung spürbar Gestalt. Aber wünscht man sich das wirklich? Wenn dabei dann soviele Leute durchfallen, wie man beim Beobachten ihrer Fahrweise glauben möchte, wirds im Zug und Bus künftig noch voller. Und das geht nun mal gar nicht. Denn schließlich - eine Lehre aus Kyrill - sollte man sich auch im ÖPNV auf plötzliche Übernachtungen einrichten. Wenns dann zu voll ist, liegt am Ende übereinander, was sich ohne Not nicht einmal in freier Wildbahn gegrüßt hätte - von den Ergebnissen nach neun Monaten ganz zu schweigen.
Deutschland ist schon jetzt ein Sanierungsfall, hat die Bundesmerk(el)erin gesagt. Also: Lassen wir es besser nicht noch schlimmer werden. Bis nächste Woche! |